Dieter Bachmann

Dieter Bachmann am Grenzübergang in Arzo (TI), 1985. Foto: Eric Bachmann. Archiv Dieter Bachmann, SLA, Bern.

Dieter Bachmann wurde 1940 in Basel geboren und studierte in Zürich Literatur, Komparatistik und Philosophie. Er promovierte mit einer Arbeit über den Essay und legte damit einen entscheidenden Grundstein für seine Laufbahn als einer der bedeutendsten Kulturschaffenden der Schweiz. Seit den 1970er-Jahren ist Bachmann als Publizist, Feuilletonist, Herausgeber und Schriftsteller tätig. Von 1988 bis 1998 wirkte er als Chefredaktor der Zeitschrift du, zuvor arbeitete er in den Kulturredaktionen der Weltwoche und des Tages-Anzeiger-Magazins. Bachmann setzte sich nicht nur nachhaltig mit der Literatur, sondern auch mit dem Theater und der Fotografie auseinander. Dies zeigen seine Arbeiten für das Zürcher Schauspielhaus und die Herausgeberschaft verschiedener Editionen mit namhaften Fotografen. 1984 erhielt er den Zürcher Journalistenpreis und das Werkjahr des Kantons Aargau. 2003 wurde er mit dem Einzelwerkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung ausgezeichnet. Bachmann lebt als freier Autor in Zürich. Zuletzt erschien der Roman Die Gärten der Medusa (2015).

Auf der Maturareise im Jahr 1958 besuchte Bachmann Rom zum ersten Mal. Später kehrte er regelmässig in die italienische Hauptstadt zurück: «Rom wurde einer meiner Flucht- und Zufluchtsorte […]. Manchmal brachen wir um Mitternacht in Zürich vom ‹Odeon› auf, irgendwer hatte einen Deux-Chevaux, und wir fuhren über Hügel und Täler nach Rom. Autobahnen gab es noch wenige, die Fahrt dauerte vielleicht 36 Stunden», erzählte er in einem Interview mit Lilli Binzegger, das in Folio (2.2004) erschienen ist. Von 2000 bis 2003 leitete Bachmann das Istituto Svizzero in Rom und setzte sich in dieser Funktion als Kulturvermittler für die Schweizer Kultur ein. Das nahe der Via Veneto gelegene Istituto war 1949 gegründet worden. Mit der Auflage, dass hier junge Künstlerinnen und Wissenschaftler aus der Schweiz ihre Arbeit fortsetzen und ihre Beziehungen zum Gastland vertiefen können, wurde die Villa Maraini 1947 der Eidgenossenschaft übergeben. Die Institution entwickelte sich zu einem bedeutenden Treffpunkt für das römische Kulturleben und zu einem Schaufenster schweizerischen Kulturschaffens. In seiner Funktion als Leiter des Istituto engagierte sich Bachmann vor allem in den Gebieten Literatur, Fotografie und Jazz. So organisierte er unter anderem eine Ausstellung und Veranstaltungsreihe über Max Frischs Jahre in Rom, eine grosse Fotoschau über die Emigration italienischer Arbeiter in die Schweiz mit dem Titel Il lungo addio oder das Jazz-Film-Projekt Pane per tutti. Bachmann war bemüht um einen Austausch mit dem römischen Kulturleben und strebte eine Kooperation mit der lokalen Administration an, was sich allerdings oft als nur schwer realisierbar erwies: «Rom begegnete mir dann viel fremder, als ich es erwartet und gekannt hatte», bilanzierte Bachmann 2004. Nach seiner Zeit in Rom erwarb er ein verlassenes Haus mit verwildertem Grundstück in der Nähe von Assisi, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau nach eigenen Plänen umbaute. Dort lebte er ab 2003 als freier Schriftsteller. Mit der Niederlassung in Umbrien begann Bachmann die Schweiz in seinem publizistischen und literarischen Schaffen vermehrt aus der Aussenperspektive zu reflektieren. Inzwischen lebt Bachmann wieder in der Schweiz.

In Die Vorzüge der Halbinsel (2008) zeichnet Bachmann nach, was ihm in seiner Zeit in Italien an Beglückungen und Zumutungen widerfahren ist. Das Buch ist Liebeserklärung und Anklage zugleich: Bachmann schwankt darin zwischen Zuneigung, gar Hingerissenheit und nervösem Unbehagen bis Konfrontation. Die Vorzüge der Halbinsel setzt sich humorvoll mit den Höhen und Tiefen des Lebens in der südlichen Wahlheimat auseinander und verhandelt das aus Sicht des Autors im Kontrast zur Mentalität des Nordens realitätsnähere Existenzgefühl im Süden. Mit scharfem Blick liefert Bachmann persönliche Momentaufnahmen von der italienischen Halbinsel: So erzählt er zum Beispiel von wilden Kühen, die die Wiesen rund um sein Haus zertrampeln, von Wilderern, die nachts mit Äxten durch die Felder streifen, von Jägern, Brandstiftern, Einbrechern oder vergifteten Hunden. Im letzten Teil des Buchs häufen sich politische Passagen, die um die notorische Verspätung der Gesellschaft, die clownesken Auftritte der Politiker und die Immunität Italiens gegenüber europäischen Anforderungen kreisen. Zudem ist dem Buch eine Liebeserklärung an den Regisseur Federico Fellini eingeschrieben.

Quellen